Gutachten beim Yachtkauf - ein wichtiges Thema

Jede gebrauchte Yacht hat ihre Vorgeschichte. Umso wichtiger ist es, zu wissen worauf man sich beim Kauf einlässt. Denn manche Baustellen können teuer werden. Wer eine gebrauchte Yacht kauft, sucht in der Regel kein Projekt für die nächsten Jahre, sondern ein Schiff dass er, möglichst ohne zuerst größeren Wartungsstau oder sogar strukturelle Schäden instand zu setzen, direkt nutzen kann.Ich besichtige und bewerte für Sie Boote und Yachten bis 24m, auf Wunsch überall in Europa.

Ein Gutachten umfasst eine Bestandsaufnahme hinsichtlich des allgemeinen Unterhaltungszustands, eine Aufstellung der vorhandenen Mängel sowie eine Übersicht der erforderlichen Maßnahmen und Instandsetzungen nach Priorität.Diese genaue Bestandsaufnahme mindert Ihr Risiko beim Kauf erheblich. Ein Kaufgutachten gibt Ihnen im Rahmen der Kaufverhandlungen gute Argumente in die Hand, eventuelle Mängel bei den Kaufpreisverhandlungen noch zu berücksichtigen, Deshalb lohnt sich ein Kaufgutachten gerade bei größeren und hochpreisigen Yachten in jedem Fall.

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Solche Schäden kommen vor, hier eine reichlich lädierte Spiegelkante an einer Segelyacht 

Was wird in einem Ankauf-Gutachten besichtigt und bewertet?

Für eine fundierte Bewertung werden insbesondere folgende Punkte beurteilt:
 

  •  Schiffskörper  und strukturelle Elemente (Motorfundamente, Bodenwrangen, Spanten undStringer, Rumpf- 
    Decksverbindung

     

  •  Maschinen und Generator (hier ist, je nach bisheriger Nutzungsdauer des Motoröls eventuell auch eine Ölanalyse
    aussagekräftig) 

     

  •  Aufbauten und Decks
     

  •  Rigg: Sichtprüfung von Masten und Spieren auf eventuelle Risse (z.B. an Befestigungspunkten fürSalinge,
    Winschen,...) Terminals an Wanten (Korrosion, eventuell gebrochene Litzen in Stahlseilen)

     

  •  Zustand und Befestigung von Püttingen
     

  •  Aufbau und Zustand der elektrischen Anlage (Absicherung, Landstromanschluss, Verkabelung Beleuchtung,...)
     

  •  Steuerung und Autopilot
     

  •  Ruderanlage, Sichtprüfung von Hydraulikleitungen oder Drahtzügen, Dichtigkeit von Pumpen und Hydraulikzylindern
     

  •  Funktionsprüfung der Navigationselektronik
     

  •  Funktionsprüfung der Ankerwinde, eventueller Bug- und Heckstrahlruder, sonstiger Deckshardware wie Winschen,
     Davit/Beibootkran etc.
     

  •  Sicherheitsausstattung, Rettungsmittel und Brandschutz
     

  •  Seeventile (Freigängigkkeit und Zustand)
     

  •  Unterwasserschiff:
     

  •  Ruder (Zustand und Lagerspiel), Propeller, Wellenböcke, Bugstrahlruder, Rumpf-Kielverbindung,
     

  •  Rumpfdurchbrüche,
     

  •  Leitungen für Wasser (Seewasser und Frischwasser) und Brennstoff
     

  •  Frischwasseranlage, Pumpen, Boiler und Watermaker
     

  •  Abwasseranlage
     

  •  Tanks
     

  •  Stabilisatoren
     

  •  Klimaanlagen

Besichtigung an Land...

Die Besichtigung an Land ist für viele Beurteilungen unvermeidbar, zum Beispiel Zustand von Borddurchlässen, Wellen- und Ruderlagern, allgemeinem Rumpfzustand und vielen Aspekten mehr...

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Hier sehen wir erst mal noch nichts, nur dass dieses Boot ziemlich lange nicht bewegt und möglicherweise genauso lange ignoriert wurde...

Hier sehen wir erst mal noch nichts, nur dass dieses Boot ziemlich lange nicht bewegt und möglicherweise genauso lange ignoriert wurde...

Bei Stahl und Aluminiumrümpfen ist eine Beurteilung des Zustandes nur durch Ultraschallmessung möglich. Hier werden insbesondere die Bereiche geprüft, die durch erkennbare Korrosion bereits beeinträchtigt sein können. Die Ultraschallmessung dient dazu, die vorhandene Plattenstärke des Rumpfes festzustellen.  . 

Ein Stahlrumpf einer Segelyacht- abgesehen von offensichtlichen Anrostungen wird hier nur das Ultraschall den Zustand verraten.

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Bei GFK - Rümpfen erfolgt die Untersuchung auf eventuell vorhandenen Osmoseschäden oder Delaminationsschäden bei Sandwichrümpfen und Decks. Eine Methode zur Feststellung von vorhandenen Materialschädigungen ist die Messung der Materialfeuchtigkeit mit speziellen induktiv arbeitenden Messgeräten. Hierdurch erkennt man in der Regel übermäßige Wassereinlagerungen im Material die zu Osmoseschäden des Laminats führen können, aber auch nasses Kernmaterial in  Sandwichkonstruktionen.

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Nicht immer liegt die Vermutung eines Osmoseproblems am Rumpf so deutlich auf der Hand...

Seatrial - Die Erprobung in Fahrt

Zur vollständigen Beurteilung gehört auch die Seeerprobung. Während bestimmte Beurteilungen nur an Land stehend ausgeführt werden können ist zum Beispiel die Erpobung der seewassergekühlten Klimaanlagen, der Seewasserspülung von Toiletten, aber auch der störungfreie Betrieb von Antriebsanlage (Laufverhalten der Propellerwellen), Stabilisatoren und Autopilot sowie das Laufverhalten der Maschinen (störungsfreier Betrieb, thermische Auffälligkeiten im Betrieb) nur im Wasser beziehungsweise bei einer Erprobungsfahrt möglich.

Hier war ein undichter Ladeluftkühler das Problem.
Kühlwasser gelangte so in die Verbrennungsluft.

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